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Nicht dokumentiert | !Kung San
Afrika/Namibia
Anfang 20. Jh.
Leder, Straußenei-Scheiben, Holz, Faden, Glasperlen
Länge a (Köcher 1) 9 cm | Durchmesser a (Köcher 1) 2,5 cm | Länge a (Köcher 2) 10,5 cm | Durchmesser a (Köcher 2) 3 cm | Länge b 12 cm | Breite b 3,5 cm
Anton Lunkenbein Der gelernte Apotheker Anton Lunkenbein (1882–?) verlor wohl bei einem Schießunfall während seiner Dienstzeit in Metz seine linke Hand. Spätestens ab 1910 ist sein Aufenthalt in Grootfontein, „Südwest-Afrika“ (heute Namibia) nachweisbar. Dort war er als Amtsmannschreiber bzw. Bürogehilfe tätig. Die Archivakte datiert seinen Aufenthalt – unterbrochen durch eine Heimreise im Jahre 1913 – bis 1914. In dieser Zeit betätigte er sich nach eigener Aussage als Sammler für deutsche Museen“ (Lunkenbein 1937, S. 2). Dem Briefverkehr mit dem Museum [SG-116] lässt sich entnehmen, dass Lunkenbein während seiner Reisen selbst Objekte zusammentrug, zugleich erhielt er „Ovambo- bzw. Mambukuschumaterial […] durch Vermittlung eines früher in Namutoni ansässigen Polizeiwachtmeisters und durch die Zuwanderung von Okavangoleuten, die ihre Marschrouten über Karakuwies, Nurugas, Grootfontein nehmen“ [Brief vom 05.03.1914]. Er gibt weiter an, während des 1. Weltkrieges Teil der Schutztruppe gewesen zu sein. Auf welche Schutztruppe er sich bezieht, lässt er dabei offen. 1927 reiste er auf eigene Kosten sowie mit finanzieller Unterstützung des ethnologischen Museums Leipzig für weitere 5 Jahre nach Namibia und führte dort, wiederum nach eigener Aussage, ein Leben als freier Schriftsteller und verfasste Abenteuererzählungen häufig im kolonialen Kontext. Er war sowohl in Sammelwerken als auch in der populären Jugend- und Schulbuchreihe ‚Aus weiter Welt‘ vertreten. Sein literarisches Werk umfasst u.a. folgende Titel: „Die Geheimnisse der Namib“ (Berlin 1921), „In der Wüste der Diamanten“ (Reutlingen 1925), „In der Kalahari-Wüste: südwestafrikanische Erzählung“ (Reutlingen 1926), „Sandfeldschrecken: ein südafrikanisches Erlebnis“ (Reutlingen 1925), „Der Schlangengreifer von Süd-West“ (Reutlingen 1927) und „Von Wilden und wilden Tieren“ (Reutlingen 1937).
Das Museum erwarb 27 Objekte, darunter Pfeile, Köcher, Stäbe, Schöpfhörner, Puderdose, Ketten, Tanzrassel, sog. „Buschmannrevolver“ u.a. Ein Vermerk im Eingangsbuch weist darauf hin, dass die Objekte allesamt aus der Gegend um Grootfontein, wo Lunkenbein selbst wohl über 5 Jahre gearbeitet hat, stammen („Omuramba-u-Omatako-d.h. aus der Gegend zwischen Otjituo und Karakuriza“). Wie Lunkenbein an diese Objekte gelangte, ist derzeit nicht bekannt.
(Eva Schuster, September 2025)
Quellen und Literatur:
Eingangsbuch des Museum Fünf Kontinente: SMV-62
Archivakte SG-116
Akte im Bundesarchiv: BArch R 1002/1145
Anton Lunkenbein, Im Kampf mit Wilden und wilden Tieren: Als Jäger und Forscher in Dt.-Südwestafrika, Reutlingen 1937.
Kauf 1933
Die beiden Sets wurde 1933 von Anton Lunkenbein angekauft. Eine Notiz im Eingangsbuch (MFK-Archiv SMV 62, S. 22) verweist auf San-Communitys in der Nähe von Grootfontein (damals Protektorat Südwestafrika), wo Lunkenbein zwischen 1927 und 1933 für eine Minengesellschaft arbeitete (vom Omuramba-Omatako-Fluß, aus der Gegend »zwischen Otjituo und Karakuriza«). Wie genau Lunkenbein an diese Waffensets gelangte ist derzeit nicht bekannt. (Eva Schuster/Richard Hölzl, 13.1.2026)