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Armreif
Inventar-Nummer 89-559

Urheberschaft

Nicht dokumentiert | Haussa

Geografische Herkunft

Afrika

Datierung

19. Jh.

Material

Elfenbein

Maße

Höhe 8 cm | Durchmesser unten 9,5 cm | Durchmesser oben 8 cm

Provenienz

Eugen Ritter von Zimmerer Eugen von Zimmerer (1843–1918) stammte aus einer bayerischen Beamtenfamilie, war Jurist und bayerischer Justizbeamter. Er hatte in München und Heidelberg studiert und war 1874–1886 als Staatsanwalt und Richter an verschiedenen Standorten in Bayern tätig. 1887–1895 stand er im Kolonialdienst und 1898–1910 war er Diplomat in Brasilien, Chile und Haiti. In den Kolonien Togo (1888–1890) und Kamerun (1887, 1890–1895) hatte er als Reichskommissar, Kanzler / stellvertretender Gouverneur und Gouverneur durchweg höchste Positionen inne. In diesen Funktionen unterstanden ihm die kolonialen Truppen der Kolonien Togo und Kamerun. Zimmerer autorisierte und verantwortete mehrere Dutzend Strafexpedition sowie zahlreiche Akte brutaler Gewalt an einzelnen Personen. Letzteres bildete den Hintergrund seiner Demission. Ende des Jahres 1893 erhoben sich große Teile der afrikanischen Polizeitruppe Kameruns. Morde, brutalste Behandlung, Hunger, Internierungen und sexualisierte Gewalt seitens europäischer Beamter gegen die Frauen der Soldaten waren der Anlass. In dem folgenden Disziplinarverfahren sagten die angeklagten Beamten aus, Zimmerer habe sie zu dem brutalen Vorgehen ermuntert. Zimmerer übte das Amt des Gouverneurs in einer Phase aus, in der viele militärische Stations- und Expeditionsleiter die Eroberung und Besetzung der beanspruchten kolonialen Territorien mit äußerster Gewalt vorantrieben.
Zimmerer übergab der Ethnographischen Sammlung (heute Museum Fünf Kontinente) in mehreren Tranchen (1889, 1893, 1894, 1895, 1902) eine Sammlung von 873 Objekten. Die Daten des Eingangs stimmen mit zwischenzeitlichen Deutschlandaufenthalten von Zimmerer überein. Gut 200 Objekte stammen aus der brasilianischen Provinz Santa Catharina, wo er 1898–1902 als Generalkonsul tätig war (wohl archäologische Funde). Über 180 Objekte sind der ehemaligen Kolonie Kamerun zugeordnet, einige davon tragen die ethnische Zuschreibung Abo, Wute, Haussa, Bali, Batschinga oder Koko. Gegen einzelne dieser so bezeichneten Gesellschaften führten Kolonialtruppen – autorisiert durch Zimmerer – gewalttätige Militäroperationen („Strafexpeditionen“) durch (gegen die Abo 1891 und 1893/94, gegen die Bakoko 1892/93). Weitere Konvolute sind mit anderen westafrikanischen Provenienzen (in den heutigen Ländern Ghana, Nigeria, Benin und Togo) verzeichnet. Häufig findet sich nur „Afrika“ oder „Westafrika“ als Herkunftsangabe. Allein 187 Objekte aus dem Bestand Zimmerer wurden den Haussa zugeschrieben. Wie sich Zimmerer die weit über 800 Objekte genau aneignete, ist bisher nicht bekannt. (R. Hölzl, 19.2.2024)

Literatur:
Auswärtiges Amt (Hg.), Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes, 1871–1945, Band 5, Paderborn 2014, S. 375f.
Florian Hoffmann, Okkupation und Militärverwaltung in Kamerun. Etablierung und Institutionalisierung des kolonialen Gewaltmonopols, Teil 1, Göttingen 2007, Kap. 3.
Eva Künkler, Koloniale Gewalt und der Raub kultureller Objekte und menschlicher Überreste. Eine systematische Übersicht zu Militärgewalt und sogenannten Strafexpeditionen in deutschen Kolonialgebieten in Afrika (1884–1919). Working Paper: Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, Deutsches Zentrum Kulturgutverluste 2023, 42-58.
Yann LeGall, Elias Aguigah, Jeanne-Ange Wagne, Überblick über die sogenannten militärischen Strafexpeditionen, die von den deutschen Kolonialisten zwischen 1884 und 1914 durchgeführt wurden, TU Berlin 2023: https://depositonce.tu-berlin.de/bitstreams/89a5927c-be53-4e67-9436-94368ae1631d/download
Adolf Rüger, Der Aufstand der Polizeisoldaten (Dezember 1893), in: Helmuth Stoecker (Hg.), Kamerun unter deutscher Kolonialherrschaft, Berlin 1960, S. 103-148.
Heinrich Schnee, Deutsches Kolonial-Lexikon, Bd. 3, Leipzig 1920, 749

Erwerbsumstände unbekannt | 1889